Soziale Offensive im Jugendsport

"Basketball um Mitternacht", "Gewaltprävention durch Sport", "Sport in sozialen Brennpunkten", "Interkulturelle Arbeit mit Sport" - all dies sind Aktivitäten des organisierten Sports für sozial benachteiligte Jugendliche, die im deutschen Sportsystem längst kein Schattendasein mehr führen. Diese gemeinwohlorientierten Leistungen des organisierten Sports haben sich in den letzten Jahren deutlich erweitert. Ein Paradebeispiel hierfür stellt die Soziale Offensive im Jugendsport dar. Mittlerweile wird das sozialarbeiterische Potenzial des Sports in vielen Orten quer durch die Republik genutzt.

 

Begründungs- und Orientierungskonzept der Deutschen Sportjugend

 

  

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Die Ambivalenz zwischen Lebensrisiken und Lebenschancen nimmt insbesondere für junge Menschen auf allen gesellschaftlichen Ebenen zu. Ein beschleunigter sozialer, technologischer und ökonomischer Wandel sowie gesellschaftliche Erfordernisse zur Anpassung an veränderte Realitäten stellen auch Jugendliche vor neue und bisher nicht gekannte Herausforderungen.

In dieser Broschüre wird die Notwendigkeit der Fortentwicklung der Sozialen Offensive im Kinder- und Jugendsport beschrieben.

Die vollständige Dokumentation der Broschüre gibt es als Download hier...

 

 

Das System der Sozialen Arbeit im organisierten Sport

Gleichwohl war das Wissen um dieses neue Arbeitsfeld im deutschen Sport bislang recht gering. Die Deutsche Sportjugend hat daher gemeinsam mit dem Institut für Sportsoziologie der Deutschen Sporthochschule Köln ein Informations- und Dokumentationszentrum der Sozialen Initiativen im Jugendsport aufgebaut. Gefördert wird das Programm durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Für die Durchführung der Untersuchung "Das System der Sozialen Arbeit im organisierten Sport" beauftragte die Deutsche Sportjugend (dsj) Herrn Prof. Dr. Christoph Breuer von der Deutsche Sporthochschule Köln - Institut für Sportsoziologie .

Nun liegen erste Ergebnisse vor:

 

  

Bundesweit existieren gut 1.500 Soziale Initiativen im Jugendsport. Dabei gibt es deutliche Unterschiede, was ihre Verteilung auf die einzelnen Bundesländer anbelangt. Absolut betrachtet befinden sich die meisten davon in Nordrhein-Westfalen. Pro Einwohner gerechnet werden die meisten sozialarbeiterischen Jugendmaßnahmen allerdings in Bremen und Mecklenburg-Vorpommern angeboten.

Die häufigsten Interventionsfelder stellen Integrationsarbeit und Gewaltprävention dar. Knapp drei Viertel bzw. gut die Hälfte aller Initiativen greift diese Ziele explizit auf. Weit verbreitet ist darüber hinaus in 25 % aller Initiativen auch die stadtteilbezogene bzw. Soziale-Brennpunkt-Arbeit.

Die häufigsten Hauptzielgruppen der Initiativen neben Kindern und Jugendlichen allgemein sind jugendliche Aussiedler, ausländische Jugendliche sowie sozial  benachteiligte und sozial auffällige Jugendliche. 36 % der Initiativen bieten auch nichtsportliche Angebote mit sozialpädagogischer Betreuung an.

Auffallend ist, dass die meisten Initiativen mit Partnern außerhalb der Sportorganisationen zusammenarbeiten. Der häufigste Kooperationspartner ist das Jugendamt (49 %), gefolgt von der Schule (47 %), dem Sportamt (38 %) und den freien Trägern der Jugendhilfe bzw. den Jugendverbänden (30 %). Recht häufig sind auch Vernetzungen mit der Polizei (26 %) der Privatwirtschaft (24 %), dem Sozialamt (19 %) und Wohlfahrtsverbänden (16 %).

Eine sehr wichtige Rolle spielt in den sozialen Initiativen das ehrenamtliche Engagement. Im Durchschnitt werden 56 % der in einer sozialen Offensive des Jugendsports anfallenden Arbeiten ehrenamtlich verrichtet. In 50 % der Initiativen werden pro Woche mehr als 15 Stunden ehrenamtlich für Zwecke der Jugendsozialarbeit gearbeitet, durchschnittlich werden pro Initiative 35,5 Arbeitstunden wöchentlich ehrenamtlich geleistet. Hochgerechnet auf die bundesweit rund 1.500 sozialen Initiativen des Jugendsports bedeutet dies, dass dort jede Woche eine einschlägige ehrenamtliche Arbeit in einem Umfang von über 53.000 Stunden erbracht wird.

Im Hinblick auf die Motivation zur Mitarbeit in diesen Maßnahmen überwiegen sowohl bei den ehren- als auch bei den hauptamtlichen Mitarbeitern fünf Aspekte: (1) Sie arbeiten gerne mit Menschen zusammen; (2) sie wollen Menschen helfen; (3) sie wollen Jugendliche an den Sportverein heranführen; (4) sie übernehmen gerne Verantwortung; (5) sie wollen etwas für die Gesellschaft tun.

Sowohl die ehren- als auch die hauptamtlichen Mitarbeiter bekunden einen hohen Weiterbildungsbedarf. Dies betrifft insbesondere die Bereiche Öffentlichkeitsarbeit, Qualitätssicherung, Konfliktmanagement, Empowerment, Mitbestimmungsmöglichkeiten der Jugendlichen, Methoden der Jugendsozialarbeit, neue Konzepte des ehrenamtlichen Engagements, Social Sponsoring und Projektmanagement.

Auffallend ist schließlich auch, dass in den meisten Initiativen grundlegende Maßnahmen der Qualitätssicherung Anwendung finden. Auch dies unterstreicht den hohen Professionalitätscharakter der Mehrzahl der Initiativen. Besonders stark ist die engagementgestützte Qualitätssicherung ausgeprägt, was u.a. auf die hohe Motivation der Mitarbeiter zurückzuführen ist. Etwas weniger stark verbreitet sind dagegen Maßnahmen der informationsgestützten Qualitätssicherung (z.B. Leistungscontrolling) sowie Maßnahmen der personalführungsgestützten Qualitätssicherung (Supervision, Personalauswahl im Hinblick auf die Projektziele etc.).

Aus den Befunden ergeben sich insgesamt folgende Handlungsempfehlungen:

  • Wichtig wäre insbesondere die Einrichtung eines zielgerichteten Fort- und Weiterbildungsangebots für die Mitarbeiter in den sozialen Initiativen, weiterhin das Verfügbarmachen einschlägigen Informationsmaterials bzw. von Fachliteratur. Ferner ist die Einrichtung eines abgestimmten Wissensmanagements zu empfehlen, d.h. die Einrichtung eines Kommunikationssystems der Initiativen untereinander, in dem Probleme und Lösungswege gemeinsam diskutiert werden können und aus den Erfahrungen anderer gelernt werden kann.

  • Zu empfehlen ist weiterhin eine wissenschaftlich gestützte Qualitätsstrategie und -offensive, um die Qualitätsbemühungen der Initiativen zu unterstützen. Dies gilt insbesondere für Maßnahmen der informations- und personalführungsgestützten Qualitätssicherung.

  • In jenen Regionen, in denen nur eine schwache Versorgung mit sozialen Offensiven besteht, sollten der Auf- und Ausbau sozialer Initiativen systematisch gefördert werden.

  • Aus Sicht der Initiativen ist zudem die politische Lobbyarbeit der dsj weiter zu intensivieren.

Die Projekte, Initiativen und Maßnahmen der sozialen Offensive finden Sie hier...

Weitere Informationen zur vollständigen Dokumentation der Studie und anderen Publikationen unter:

 

Deutsche Sportjugend (dsj)

Otto-Fleck-Schneise 12

D-60528 Frankfurt am Main

Tel.: 069 / 67 00-358

Fax: 069 / 67 00-1358

e-Mail: lämmel@dsj.de

 

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